Gebäude- und Leerstandserhebung

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Gebäude- und Leerstandserhebung
Sektor
Themenbereich Facility Management
Staat Deutschland
Bundesland Brandenburg
Bezirk/Kreis
Projektpartner (Institutionen) Luckenwalde, Jüterbog
Kontaktperson(en) Herr Mann (Stadtplanungsamt Luckenwalde)
Projektwebsite http://www.stadtumbau-ost.info/
Projektstart (Jahr) 2006
Rechts- und Organisationsform Lose Kooperation
Preise und Auszeichnungen

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Koordinaten: 52° 5' 27", 13° 10' 27"

Beschreibung

In der Stadt Luckenwalde (rd. 13.000 Wohneinheiten in rd. 5.300 Gebäuden) ist die Altstadt in besonderem Maß vom hohen und dispers verteilten Leerstand betroffen - die Leerstandsquote beträgt rd. 20 %. In Jüterbog (rd. 7.100 Wohneinheiten in rd. 3.700 Gebäuden) ist neben dem Stadtteil Jüterbog II ebenfalls die Altstadt deutlich von leerstehenden Wohneinheiten geprägt - die Leerstandsquote beträgt rd. 14 %. Zur künftig erforderlichen differenzierten Feinsteuerung der Stadtumbauprozesse benötigen beide Städte eine entsprechend genaue quantitative und qualitative Wohnungsbestands- und Wohnungsleerstandserfassung für den Gesamtbestand. Im Rahmen der bisherigen Planungen wurden Daten der institutionellen Anbieter bzw. die Fortschreibung der Landesstatistik und darauf basierende Schätzungen herangezogen. Für die anstehenden Prozessphasen des Stadtumbaus wird jedoch insbesondere für die Wohnungsmarkt- und Wohnungsüberhangsprognosen eine Datenbasis benötigt, die auch die Wohnungsbestände von Privateigentümern und in den Altbaubereichen umfasst.

Zunächst wurden auch in der Projektgruppe Stadtumbau/Stadtregion des Städtekranzes Berlin-Brandenburg Erfahrungen mit diversen Erhebungsmethodiken diskutiert. Eine möglichst genaue, detaillierte und vollständige Erfassung des Wohnungsbestandes einschließlich qualitativer Merkmale kann nur durch eine Begehung gesichert werden. In den beiden Städten Luckenwalde und Jüterbog erfolgte diese Ortsbegehung durch speziell geschulte Studenten, deren Arbeit fachlich durch ein beauftragtes Planungsbüro begleitet wurde. Die Gebäudebestands- und Leerstandserhebung wurde für die Gesamtstadt im Rahmen einer mehrwöchigen Ortsbegehung durchgeführt. Durch die Inaugenscheinnahme jedes einzelnen Wohngebäudes und die Erfassung von unterschiedlichen Gebäudedaten wurde die Erhebung durchgeführt. Eine wichtige Basis für die Gebäudebestands- und Leerstandserhebung war der Erfassungsbogen, der u. a. Informationen zu

  • Adresse
  • Gebäudeteil (Vorder- oder Hinterhaus, Seitenflügel etc.)
  • Gebäudetyp (Einfamilienhaus, Geschosswohnungsbau etc.)
  • Gebäudealter (drei Kategorien: vor 1949, 1949-1990, nach 1990)
  • Bautyp
  • Bauzustand
  • Anzahl der Voll- und Dachgeschosse
  • Anzahl der Wohneinheiten und der leerstehenden Wohneinheiten

beinhaltet. Alle erfassten Daten wurden nach Abschluss der Begehung in einer Datenbank erfasst, so dass die Auswertung nach den unterschiedlichen Kriterien erfolgen konnte. Durch die Zuordnung der einzelnen Adressen zu den im Rahmen des Stadtumbaus bzw. des Stadtumbaumonitorings festgelegten Stadtteilen, war die Auswertung für jeden einzelnen Stadtteil und für die Gesamtstadt möglich. Mit Hilfe der Auswertung konnten die Wohnungsleerstände exakt lokalisiert werden und die Stadtteile identifiziert werden, in denen dringender Handlungsbedarf existiert. Darüber hinaus konnten - unter zu Hilfenahme weiterer Daten wie z. B. der Altersstruktur der Bevölkerung - Tendenzen der zu erwartenden Entwicklung der Stadtteile ableitet werden: Beispielsweise ist in derzeit noch relativ stabilen gewachsenen Plattenbaugebieten künftig mit einem deutlichen Anstieg der Leerstandsquote zu rechnen, der sich aus der natürlichen Bevölkerungsentwicklung ohne relevanten Zuzug ergibt.

Aktueller Stand

In beiden Städten ist die Gebäudebestands- und Leerstandserfassung abgeschlossen. Die Abschlussberichte liegen den Städten vor. Durch die umfassende Datenerhebung haben die Städte parallel eine komplette Überprüfung der automatisierten Liegenschaftskarte (ALK) und ihrer Adressverzeichnisse erhalten. Diese Aktualisierung sollte perspektivisch im Kartenmaterial und in den zugehörigen Datenbanken nachvollzogen werden. Beide Städte stehen nun vor der Herausforderung, die aktuelle Datenbasis zur Gebäudebestands- und Leerstandserfassung in ihre jeweiligen - im Aufbau befindlichen - Stadtentwicklungsmonitoringsysteme zu integrieren. Darüber hinaus sollten auf der Basis der aktuellen Erhebungen die Stadtumbaukonzepte aktualisiert bzw. fortgeschrieben werden. Wohnungsmarkt- und Wohnungsüberhangprognosen können auf dieser Basis ebenfalls aktualisiert werden. Wesentlich wird die künftige Fortschreibung der Gebäudebestands- und Leerstanderfassung sein. Diese sollte im zwei- bis fünfjährlichen Rhythmus für die Gesamtstadt erfolgen, Problemgebiete mit hohen Leerstandsquoten bzw. mit einer im Vergleich zur Gesamtstadt deutlich älteren Bevölkerung sollten in kürzeren Zeitabständen beobachtet werden.

Erzielte Effekte

Zur Gebäudebestands- und Leerstandserfassung steht eine umfassende Palette an unterschiedlichsten Instrumenten zur Verfügung, die sich hinsichtlich Erhebungsaufwand und Aussagekraft der Ergebnisse deutlich voneinander unterscheiden. Die in den beiden Städten Luckenwalde und Jüterbog angewandte Ortsbegehung durch ein Team von vier bis sechs intensiv geschulten Studenten hat gezeigt, dass mit relativ geringem finanziellen und zeitlichen Aufwand sehr aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden können. Im Gegensatz zu Haushaltsgenerierungsverfahren oder Schätzungen anhand der amtlichen Statistik bietet die Erhebung durch Ortsbegehung zudem die Möglichkeit, auch zusätzliche Daten, wie z. B. Angaben zum baulichen Zustand bzw. zum Sanierungsstand der Gebäude, zu erheben. Gerade diese Informationen sind für die gezielte Steuerung der Stadtumbauprozesse wesentlich. Diese Methodik der Leerstandserfassung kann - in der erprobten Form - sinnvoller Weise in Klein- und Mittelstädten (bis 6.000 bis 7.000 Gebäude) angewendet werden. Für Städte mit größeren Gebäudebeständen sind größere Teams zur Vororterfassung und Dateneingabe obligatorisch.